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Fußball


Die europäische Fußballtradition geht auf das Mittelalter zurück. Die in der Antike gespielten Ballspiele weisen zu wenig ähnlichkeit zu dem heutigen Fußballspiel auf. Die Wurzeln des Urfußballs liegen damit nicht in Griechenland, sondern in Nordfrankreich und England. Ursprünglich war das Spiel kaum reglementiert, was Streitigkeiten zwischen Dörfern - unter dem Deckmantel des Spiels - oftmals zur anarchischen Massenschlägerei mutieren ließ, die aufgrund des Brauchs, die Waffen während des Spiels nicht abzulegen, auch zu Gefechten mit Toten ausarteten. Die frühsten Belege der Fußballgeschichte sind Gerichtsakten (zuerst 1137), in denen über Verletzte und Tote berichtet wird, sowie zahllose öffentliche Erlässe und Anordnungen, in denen das Spiel verboten wird, jedoch ohne Erfolg. In der Renaissance wird das Spiel sozusagen salonfähig. Oberschüler, Studenten, Anwälte und Kleriker mischen sich unter die bestehenden Spieler und Fans, welche sich bis dahin hauptsächlich aus Landbevölkerung und städtischer Unterschicht rekrutieren. Insbesonder die Universitäten Oxford und Cambridge wurden rasch zu Zentren des Ur-Fußballs. Nachdem es der Universitätsleitungen nicht gelang das Spiel zu verbieten, wollte man wenigstens die häufigen Schlägereien im Rahmen des Fußballspiels unterbinden. Um die vorprogrammierten Konflikte zwischen Ober- und Unterschicht zu verhindern, versuchte man das Fußballspielen außerhalb der Universitäten für Studenten zu untersagen, jedoch ebenfalls ohne Erfolg. Selbst Difamierungen dieser Sportart als nicht "gentlemanlike" und die Sorge der Kleriker Fußball könnte eine Schändung der Sonntagsruhe herbeiführen, konnte dem Fußball nichts anhaben. Das Erfolgsrezpt ist simpel und wird von eine Chronist (1698) trefflich beschrieben: "Der Ball ist aus Leder, groß wie ein Kopf und mit Luft gefüllt. Er wird getragen, oder mit dem Fuß durch die Straßen getrieben - von demjenigen, der ihn erreichen kann: Weiterer Kenntnisse bedarf es nicht." Erst im 18. Jahrhundert geriet das Spiel in eine Krise. Aufgrund von Privatisierungen, die sogenannten "enclosures" (Einziehungen), kam vielen englischen Dorfbewohnern ihre Spielfelder abhanden. Die von den Einziehungen profitierenden adligen Grundbesitzer hatten kein Verständnis für die Fußballer. Die Fußballspiele wurden zu Demonstrationen gegen das herrschaftliche Vorgehen und wurden auch dementsprechend geahndet. Im 19. Jahrhundert verlagerte sich das Fußballspiel beinahe vollständig auf die Schulen von wo auch alle Impulse der Weiterentwicklung kamen. Der Direktor der Schule in Rugby war der erste, der erkannte, dass sich dieser Sport durch Regeln für sein Interesse instrumentalisieren ließ. Er verfolgte zwei Absichten: die Schüler von unmoralischem Zeitvertreib wie z. B. Trinken, Wetten und Wildern fernzuhalten und ihnen Werte wie Disziplin und Teamgeist zu vermitteln. 1846 wurden die Regeln erstmals festgeschrieben: The Laws of Football as Played at Rugby School. Ausgehend von diesem Regelwerk entstanden unterschiedliche Erweiterungen, in einigen war das Tragen des Balles mit den Händen bereits(anders als in Rugby) verboten. Durch die aufgrund des rasch voranschreitenden Ausbaus der Eisenbahnlinien erweiterte Mobilität, wurde das Regelchaos immer mehr zu einem Problem. Der bis dato gemeinsame Weg von Rugby und Fußball ging immer mehr auseinander. Fast jede Fußballclub-Neugründung war ein Sieg der Anti-Rugby-Liga. Der 8. Dezember 1863 gilt als die Geburtsstunde des modernen Fußballs. Nach zweiwöchigem Sitzungsmarathon wurden in der Freimaurer-Taverne in London die ersten 13 Regeln der Football Association verabschiedet. Die Rugby-Liga verließen die Sitzung und gründeten ihren eigenen Verband. Die neuen Regeln untersagten unter anderem Ballberührung mit der Hand und das Tragen von hervorstehenden Nägeln oder Eisenplatten an den Schuhsohlen.

Bereits vor der Geburtsstunde des Fußballs wurden die ersten Fußballclubs gegründet (Sheffield 1855). Die Football Association wuchs rasant: 1871 gab es 50 Clubs, 1888 ca. 1000 und im Jahr 1905 bereits über 10.000. 1871 wurden die Pokalspiele in England eingeführt. Der erste deutsche Fußballverein, Germania Tempelhof (Berlin), wurde 1888 gegründet. Das erste Länderspiel Deutschland-England fand am 24. November 1899 auf der "Rennbahn am Kurfürstendamm" statt und ging mit 2:13 Toren verloren.

Friedrich Stickler

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