Verkehrsbauwerk des Jugendstil
Architekt(en): Otto Wagner
Errichtet 1892 - 1901 in/bei Wien, Österreich
Adresse(n): NULL
Vor dem Bau der Stadtbahn gab es verschiedene Überlegungen zur Linienführung (Zentralbahnhof bei der Aspern- bzw. der Augartenbrücke, mit Linien zur Reichsbrücke, nach Hernals, zum Südbahnhof, in die Brigittenau oder nach Floridsdorf). Die 1890 geschaffene Kommission für Wiener Verkehrsanlagen (Staat, Land Niederösterreich, Stadt Wien und Donauregulierungskommision), die auch für die Wienfluß-Regulierung, den Ausbau des Donaukanals zum Handelshafen und die Errichtung von Sammelkanälen entlag des Donaukanls zuständig war, entschied sich für ein Projekt aus sechs Linien, wovon nur vier (mit einer Netzlänge von 38,8 km) realisiert wurden:
Der sogenannte Verbindungsbogen verband die Gürtellinie (Station Nußdorfer Straße) mit der Donaukanallinie (Station Brigittabrücke).
Nicht realisiert wurden:
Die Linienführung war stark von militärstrategischen Überlegungen (Truppenverschiebungen zwischen den Fernbahnen im Mobilisierungsfall) beeinflusst und entsprach den Planungen der Kommunalpolitik wenig: Linien direkt ins Stadtzentrum wurden nicht gebaut, die zur Bauzeit in Großstädten bereits übliche elektrische Traktion wurde nicht angewandt.
Das Gesetz über den Bau trägt das Datum 6. Februar 1892, der feierliche Spatenstich fand am 7. Dezember 1892, der Baubeginn in Michelbeuern am 16. Februar 1893 statt.
Ein kunstsinniger Handelsminister, Graf Wurmbrandt, berief Otto Wagner zum künstlerischen Generalplaner, ihm oblag die Gestaltung der Stationsbauten, der Brücken, Viadukte und der verwendeten Geländer.
Die Stadtbahn wurde als Vollbahn mit Dampflokomotivbetrieb errichtet und wurde durch die damalige k.k. Staatsbahn betrieben. Die Strecken wurden zwischen 1898 und 1901 abschnittsweise eröffnet. Das Ende der Dampfstadtbahn kam kriegsbedingt im Jahr 1918, als der Personenverkehr wegen Kohlenmangels eingestellt werden musste.
Am 13. März 1924 wurden die Anlagen der Wiental-, Donaukanal- und Gürtellinie an die Gemeinde Wien verpachtet, da die Bundesbahnen am Personenverkehr auf diesen Strecken kein Interesse hatten. Die Stadtverwaltung trennte die drei Linien vom Vollbahnnetz, elektrifizierte sie und eröffnete sie 1925 unter dem Namen Wiener Elektrische Stadtbahn wieder. Erst durch den am 20. Oktober 1925 eingeführten Tarifverbund mit der Straßenbahn wurde das neue Verkehrsangebot wirklich populär.
Die Vorortelinie der ehemaligen Dampfstadtbahn verblieb in den 1920er Jahren im Besitz der Bundesbahnen. Der nach 1918 wieder aufgenommene Personenverkehr wurde jedoch 1932 eingestellt. In der Folge wurde die Anlage rückgebaut, Stationen geschliffen und nur mehr für den Güterverkehr genutzt.
In den 1980er Jahren wurde die Strecke reaktiviert und wieder zweigleisig ausgebaut. Am 31. Mai 1987 wurde der Personenverkehr als Linie S45 der Wiener S-Bahn wieder aufgenommen.
Ab 1976 wurden die Strecken der Elektrischen Stadtbahn schrittweise in das neu errichtete Wiener U-Bahn-Netz übernommen. Wiental- und Donaukanallinie wurden auf die neuen U-Bahn-Wagen vom Typ „U“ mit Stromschienenbetrieb umgerüstet und bis 1981 abschnittweise von Heiligenstadt nach Hütteldorf als U4 eröffnet. Die meisten Stationen wurden dabei komplett umgebaut, nur die Stationen Schönbrunn und Stadtpark sind, abgesehen von eingebauten Aufzügen und der Anpassung der Höhe der Bahnsteige an die U-Bahn-Züge, im Originalzustand verblieben. Die Aufnahmegebäude wurden in den meisten Stationen behalten, auch wenn sie in einigen nicht mehr als solche verwendet werden.
Die Gürtellinie hingegen wurde noch einige Jahre als Stadtbahnlinie G von Meidling Hauptstraße nach Heiligenstadt geführt. Auch die Abzweigung zur Friedensbrücke wurde als Linie GD noch aufrecht erhalten.